Abstract
Den Begriffen „Natur“ und „Natürlichkeit“ werden viele Antagonismen gegenübergestellt: die Technik, die Zivilisation, die Stadt, die Kunst oder die Künstlichkeit, die Affektiertheit – konzise: Verschiedene Formen von Kulturen, die je ein bestimmtes Verhältnis konstituieren. Im vorliegenden Text wird versucht über das Material, den Kontext und den Spielhandlungen von Brett- und Gesellschaftsspielen zu untersuchen welche Konstruktionen von Natur und welche Verhältnisse von Natur und ihren Antagonismen sich darin abbilden, um sich so dem populärkulturellem Impetus dieser materiellen Kultur und diesem spezifischen Genre anzunähern. Anhand ausgewählter Beispiele des Teilbestands an Eco-Boardgames der Brett- und Gesellschaftsspielesammlung des deutschen Spielearchivs in Nürnberg, den gesammelten Beständen rezipierender Publikationen, dem Gegenüberstellen mit den jeweiligen zeitgenössischen Diskursen und einer entsprechenden Kontextualisierung, wird eine exemplarische Rezeptionsgeschichte des Begriffes „Natur“ als multiperspektivische Konstruktion versus Kultur(en) in Brett- und Gesellschaftsspielen versucht. Der gesamte Teilbestand wird dazu im ersten Schritt auf der Makroebene im Feld von Brett- und Gesellschaftsspielen verortet und eingeschätzt, hinsichtlich Vorhandenem, den Lücken in der Sammlung, der Wahrnehmung des Genres, sowie den Perspektiven der sammelnden Akteur:innen. Im einem zweiten Schritt wird ausgehend von der Formation auf der Makroebene und der Kontextualisierung anhand zeitgleich geführter Diskurse aus Archivalien und Recherchen, eine Bewegung in die Formationen der einzelnen Brettspielen auf der Mikroebene und der mit ihnen verbundenen Spielhandlungen unternommen. Im Funktionieren der Brett- und Gesellschaftsspiele als Apparate die metaphorisch Lebenswelten und Utopien simulieren und in ihren Regelwerken Möglichkeiten ein- und ausschließen, können die Konstruktionen von Natur(en) und die Relationen zu den thematisierten Kulturen abgelesen, verschiedene Facetten und Positionen einer chronologischen und thematischen Abfolge dokumentiert und auf den Gesamtbestand zurück gespiegelt werden. Darüber können Tendenzen in der Rezeption von Natur(en) und Kultur(en) im Massenmedium Brett- und Gesellschaftsspiel dokumentiert und sichtbar gemacht werden.
Status
laufend