Digitalität und Bildung

  • Praxeologie der Digitalität
Panel

Veranstalter*innen

Florian Bettel , Judith Burger , Felix Koberstein , Liddy Scheffknecht , Leonard Weydemann

Datum

  • 16. Juni 2026– 14:00–16:00 Universität für angewandte Kunst in Wien, Wien, Österreich (Seminarraum 6)

Schlagwörter

Bildungsforschung, Digitale Kunst, Kulturgeschichte, Kulturwissenschaft, Technikgeschichte, Wissenschafts- und Technologiepolitik, Fachdidaktik

Abstract

Paneldiskussion mit Eva Greisberger (Zentrum Didaktik für Kunst und interdisziplinären Unterricht), Daniela Kröhnert (Digitale Methoden/Digitale Produktion) und Patrícia J. Reis (Digitale Kunst) Aktuell, so scheint es, funktioniert Bildungspolitik ausschließlich über die Regulierung von digitaler Technik: Handy- und Social Media-Verbote für Jugendliche, mehr KI-Unterricht durch Streichung von Lateinstunden und das Abprüfen standardisierter Kompetenzen im Digitalen dominierten dahingehend die Berichterstattung der letzten Monate. Wo aber liegen die Überschneidungen von digitalen Infrastrukturen, technischer Praxis und einer Digitalität, deren Ursprünge lange vor der Durchdringung der Gesellschaft mit Computern zu verorten sind? Das Panel Digitalität und Bildung spürt entlang konkreter Beispiele aus der Praxis den Möglichkeiten nach, Phänomene der Digitalität im schulischen und universitären Kontext zu reflektieren. Dabei zeigt sich, dass sich die Kritik am Digitalen über das konkrete technische Artefakt erstrecken muss, um der Kontingenz von Technik nachzuspüren, die letztlich auf die Ideologien verweist, die zur Ausformung der digitalen Welt führte. Bildung gehört damit ebenso in die Sphäre der Politik wie die Regulierung der Technik.

Beschreibung

Eva Greisberger forscht und lehrt zum Thema Demokratiebildung in künstlerisch-praktischen Vermittlungskontexten am Zentrum Didaktik für Kunst und interdisziplinären Unterricht (Universität für angewandte Kunst Wien) und unterrichtet als Lehrkraft für Kunst und Gestaltung an einem Oberstufenrealgymnasium. In ihrem aktuellen Projekt im Rahmen ihrer kumulativen Dissertation erforscht sie gemeinsam mit Schüler:innen Mis-, Des- und Malinformation in Medien und deren Zusammenhang mit Demokratie im Kunstunterricht. Leitend ist dabei die Frage, wie ein digitales Tagebuch als künstlerisch-reflexives Format Schüler:innen befähigen kann, ihren medialen Umgang zu reflektieren, demokratische Handlungsfähigkeit zu fördern und kritische Partizipation in ihrer Rolle als Prosument:innen von Medieninhalten zu stärken. Sie war Teil des Digital-Humanities-Projekts „Image+ Platform for Open Art Education", das Bilddatenbanken auf ihr didaktisches Potential für bildgestütztes Lehren und Lernen im und durch das Digitale untersuchte. Im Wintersemester 2025/26 war sie als Austrian Marshall Plan Fellow am Institute of European Studies der University of California, Berkeley. Daniela Kröhnert ist Architekturwissenschaftlerin und Künstlerin mit Schwerpunkt auf digitaler Fertigung. Sie studierte Architektur am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sowie an der Universität für angewandte Kunst Wien im Studio Prix. Von 2007 bis 2014 sammelte sie umfangreiche Praxiserfahrung bei Coop Himmelb(l)au, wo sie an internationalen Projekten mitwirkte. Seit 2010 lehrt sie „Digital Making“, derzeit an der Universität für angewandte Kunst Wien an den Instituten für Architektur sowie Kunstwissenschaften, Kunstpädagogik und Kunstvermittlung. Darüber hinaus ist sie für das Digital Design and Production Lab (ddplab) verantwortlich. Sie war und ist zudem an künstlerischen Forschungsprojekten beteiligt, darunter „Conceptual Joining – Wood Structures from Detail to Utopia“ und „Inventorics – Recombining Artifacts for Innovation“. Ihre Leidenschaft für CNC-Technologien und die Verwischung der Grenzen zwischen digitalen und physischen Räumen setzt sie auch in ihrer eigenen Praxis DARK fort, in der sie sich dem computergestützten Zeichnen und Pen Plotting widmet – unter Einsatz von HP-Plottern aus den 1980er-Jahren sowie selbstgebauten Maschinen. Patrícia J. Reis ist eine in Wien lebende Künstlerin und Forscherin, deren Arbeiten verschiedene Formate und Medien umfassen, um menschliche und nicht menschliche Interaktionen mit Technik zu untersuchen, zu dekonstruieren und zu verändern. Student:innen der Angewandten haben die Gelegenheit, Patrícias Zugang zum Themenkomplex Kunst und Technik im Rahmen ihrer Lehre an der Abt. Digitale Kunst zu erleben. Patrícia studierte Malerei (ESAD-Caldas da Rainha Portugal, 2004), Medienkunst (Master an der Universität Lusófona, Lissabon, Portugal, 2011) und promovierte in Kunst (Universität Évora, Portugal, 2016). Zwischen 2006 und 2012 war sie Assistenzprofessorin am Polytechnischen Institut von Beja, Portugal. Seit 2015 ist sie Lehrbeauftragte an der Universität für angewandte Kunst Wien und war bis 2023 an der Kunstuniversität Linz tätig. Seit 2012 ist sie Vorstandsmitglied des Kollektivs Mz* Baltazar’s Laboratory, einem feministischen Hackerspace mit Sitz in Wien. Derzeit ist sie Elise Richter-Stipendiatin mit dem Projekt „Endossensorial interaction: Hacking the body as the ‚black box‘“, gefördert vom Österreichischen Wissenschaftsfonds FWF (PEEK). Im Wintersemester 2021/22 war Patrícia Fellow am Weizenbau Institut der UdK und der TU Berlin in der Forschungsgruppe „Kritische Maker-Kultur“, wo sie praxisbasiertes Forschungswissen zu Ethical Tech und Feminist Hacking mit praktischen Experimenten und Reflexionen zum Thema verfolgte. Patrícias Arbeit wurde mit vielen Auszeichnungen bedacht, u.a. dem Artist-in-Residence-Stipendium in Mexico City (2020) und am Banff Centre for Arts and Creativity in Canada (2018). 2021 zeichnete das Bundesministerium Kunst, Kultur, öffentlicher Dienst und Sport Patrícia mit dem Outstanding Artist Award für Medienkunst aus.

Vortragende

Eva Greisberger , Daniela Kröhnert , Patrícia Reis

Aktivitätenlisten

Ort

Adresse

  • Universität für angewandte Kunst in Wien, Wien, Österreich
  • Oskar-Kokoschka-Platz 2
  • 1010 Wien
  • Österreich

Mediendateien

  • Dokument
Veröffentlicht Von: Florian Bettel | Universität für Angewandte Kunst Wien | Veröffentlicht Am: 20. Mai 2026, 08:41 | Geändert Am: 27. Mai 2026, 07:52