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Harte und klare Grenzen sind mit der Evolutionstheorie unvereinbar - selbst die Übergänge zwischen Wirbeltieren und Wirbellosen sind nicht mehr starr, ebenso wenig wie die zwischen Fischen und Amphibien, und die Abstufungen zwischen Vögeln und Reptilien verwischen von Tag zu Tag mehr.
Friedrich Engels formulierte diesen Gedanken zwischen 1873 und 1886 in seinem Werk „Dialektik der Natur“. Damit öffnete er eine Tür zu neuen Denkansätzen, die später in Gendertheorien und Debatten über Geschlecht und Gesellschaft wieder auftauchten. Heute geht dieser Diskurs über die Menschheit selbst hinaus, da die Grenzen zwischen dem Körper und den kybernetischen und algorithmischen Systemen, die Wahrnehmung und Wissen zunehmend beeinflussen, immer fließender werden: Identität ist also kein fester Zustand, sondern ein Zusammenspiel von Kräften, Einflüssen und Gegensätzen. Identitäten können sich auflösen oder ineinander übergehen. Aus den inneren Konflikten der Realität entstehen neue Formen, und ein definitives Entweder-Oder steht allem Lebendigen entgegen.