Was sich zeigt, wenn es sich verbirgt

  • Kunstinstallation zur Fastenzeit, Kollegienkirche Salzburg
Installation

Künstler*in

Datum, Ort

  • 18. Februar 2026, Kollegienkirche, Salzburg, Österreich

Schlagwörter

Installation, Siebdruck, Digitaldruck, Fastentuch

URL

www.evelyn-grill.at

Text

Im Rahmen der Fastenzeit 2026 werden die beiden Seitenaltäre der Kollegienkirche Salzburg vollständig mit zwei überdimensionalen, farbintensiven Tüchern verhüllt. Die Eröffnung der Installation erfolgt bewusst schlicht im Rahmen des Mittagsgebets am Aschermittwoch. Die künstlerische Intervention greift die christliche Tradition des Fastentuchs auf – als Symbol der Reduktion, Sammlung und inneren Vorbereitung auf Ostern – und führt sie zeitgenössisch weiter. Durch das temporäre Verhüllen der Altäre erfährt der sakrale Raum eine spürbare Veränderung: Gewohntes wird entzogen, Sichtachsen werden unterbrochen, der Kirchenraum öffnet sich für neue visuelle und geistige Erfahrungen. Verhüllen bedeutet hier nicht Verbergen, sondern Öffnung – ein Raum für das, was sich dem direkten Blick entzieht. Die Arbeiten übertragen die Altäre in einen zeitgenössischen Bildraum. Vor dem einen Altar erscheint der Kreis im Rechteck als Sinnbild des Göttlichen, Vollkommenen und Erstrebenswerten; er evoziert die Assoziation zur Weltkugel als von Gott geschaffene Form. Demgegenüber steht das Quadrat im Rechteck für die menschliche, irdische Ebene – begrenzt, kantig, geordnet. Beide Formen sind aus ihrer Mitte gekippt, „verrückt“, und verweisen so auf die Spannung zwischen göttlicher Ordnung und menschlicher Suchbewegung. Mehrschichtige Bildräume, netzartige Strukturen und organische Formen erzeugen eine „Verhüllung in der Verhüllung“. Die Bildoberfläche wird zur Membran, die Tiefe ahnen lässt, ohne sie preiszugeben. Es entsteht ein Raum im Raum – ein Ausblick ins Unbekannte oder ins zutiefst Vertraute. Die Installation berührt grundlegende menschliche Fragen nach Transzendenz, Präsenz und Abwesenheit, nach dem, was jenseits des Sichtbaren liegt. Sie gibt keine Antworten, sondern öffnet einen Raum für das Fragen, das Aushalten von Ungewissheit und für meditative Erfahrung. So versteht sich das Projekt nicht nur als gestalterischer Eingriff, sondern als geistlicher Beitrag. Es bringt zeitgenössische Kunst, theologische Fragestellungen und spirituelle Erfahrung in Dialog, sie bringt das Weltliche, Menschliche, Bunte und Zeitgenössische in den sakralen Raum und lädt dazu ein, eine Schwelle zu überwinden: jene Ehrfurcht, die die makellose Ausstrahlung barocker Kirchenräume oft erzeugt – und die zugleich auch distanzieren kann. Stattdessen darf man sich hier wiederfinden – in der eigenen liebenswerten Unzulänglichkeit, im „Verrücktsein“, im Nicht-perfekt-Sein. Die Arbeit lädt ein, die Kirche mit anderen Augen zu sehen: nicht nur als Ort der Andacht, sondern auch als Raum der persönlichen Resonanz, des Staunens, des Zweifelns – und vielleicht eines neuen Interesses an Spiritualität.

Material, Format

Siebdruck auf Leinwand, Digitaldruck auf Artist Tex, ANDERE

Größe

2 x je 9 x 13 m

Ort

Adresse

  • Kollegienkirche, Salzburg, Österreich
  • Universitätsplatz 20
  • 5020 Salzburg
  • Österreich

Mediendateien

  • Bild
Veröffentlicht Von: Evelyn Grill | Universität für Angewandte Kunst Wien | Veröffentlicht Am: 06. März 2026, 07:49 | Geändert Am: 16. April 2026, 15:03