Emanzipation und Designinnovation

  • Österreichische Bekleidungspatente im Kontext weiblicher Fahrradmobilität um 1900
Bachelorarbeit

Autor*in

Christina Berger

Ort, Datum

Universität für angewandte Kunst in Wien, Wien, Österreich, 2026

Schlagwörter

Fahrrad, Frauengeschichte, Kulturgeschichte, Kulturwissenschaft, Marken- und Patentrecht, Mobilität, Modegeschichte, Prater Wien, Stadtgeschichte, Technikgeschichte

Abstract

Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die österreichischen Patente für Radfahrerinnenbekleidung der 1890er-Jahre als Ausdruck eines grundlegenden Wandels im Zusammenspiel von sozialer Kontrolle, technischer Innovation und modischem Design. Während die internationale Forschung – insbesondere die Arbeiten von Kat Jungnickel – die englischen Patente und ihre Bedeutung für die Kleiderreform bereits umfassend beleuchtet hat, richtet diese Arbeit den Blick systematisch auf die zwischen 1893 und 1898 in Wien angemeldeten Patente. Ziel ist es zu analysieren, wie diese Erfindungen den Übergang von normativer Bekleidung zu funktionalem Design sichtbar machen und welche Rolle die Mode bei der Gestaltung neuer Formen weiblicher Bewegungsfreiheit und Selbstbestimmung spielten. Im Zentrum stehen Patentschriften von Erfinder*innen wie Sidonie Meissner, Johann Zemann, Fr. Thenn, Benjamin Altmann und Therese Wellmann, deren Entwürfe – vom mechanisch öffnenden Rock über transformierbare Pluderhosen bis hin zum modularen Sportkostüm – auf gesellschaftliche Konflikte, Anstand, Moralvorstellungen und weibliche Autonomie reagieren. Die Untersuchung macht deutlich, dass die Wiener Patente einen bislang unterschätzten Beitrag zur europäischen Design- und Modegeschichte leisten. Sie zeigen, wie technische Innovationen genutzt wurden, um die zugleich widersprüchlichen Anforderungen an weibliche Mobilität, gesellschaftliche Moralvorstellungen und das moderne Ideal eines kontrollierten, leistungsfähigen und mobilen Körpers in materielle Gestaltung zu übersetzen. Zugleich veranschaulichen sie, wie Kleidung in diesem Prozess sowohl als Mittel sozialer Disziplinierung als auch als Medium der Emanzipation fungiert. Der Vergleich mit englischen Patenten dient als kontextuelle Ergänzung und macht die besonderen Strategien sichtbar, mit denen österreichische Erfinder*innen den Diskurs um weibliche Bewegungsfreiheit in ein eigenständiges, gestalterisch innovatives Vokabular überführten. Damit liefert die Arbeit einen doppelten Erkenntnisgewinn: Einerseits verdeutlicht sie die Bedeutung der Patente als Schnittstellen zwischen Technik, Mode und Gesellschaft, andererseits zeigt sie, wie sich im Design funktionaler Damenkleidung um 1900 der Übergang von äußerer Regulierung zu individueller Gestaltungsmacht manifestierte.

Beschreibung

Thenn, Fr.; Sonder, G.: In eine Pluderhose verhandelbarer Frauenrock. 1896. Quelle: Österr. Patentamt, Privilegien-Nummer: 1896/012514, Aktenzeichen: 46/002091.

Sprache, Format, Material, Ausgabe/Auflage

Deutsch

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Mediendateien

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Veröffentlicht Von: Florian Bettel | Universität für Angewandte Kunst Wien | Veröffentlicht Am: 02. September 2026, 12:07 | Geändert Am: 18. September 2026, 07:53