Künstlerische Projektarbeiten | Künstlerisches Medium: Textil
Barbara Graf
Institut für Kunstwissenschaften, Kunstpädagogik und Kunstvermittlung, Textil - Freie, angewandte u. experiment. künstl. Gestaltung
2026W, künstlerisches Seminar (SEK), 4.0 ECTS, 4.0 SemStd., LV-Nr. S51340
Beschreibung
Mittwochs, 13:45-17:15.
FESTE NÄHTE – LOCKERE STICHE: Topologien der Auflösung und Verbindung.
Nähte und Stiche werden in ihren Eigenheiten künstlerisch-forschend erkundet. Dabei werden sie sowohl als textile Strukturen als auch als methodische und metaphorische Verfahren verstanden. Wie durchdringt der Faden das Gewebe – und mit welcher technischen, künstlerischen, ästhetischen oder soziokulturellen Funktion? Die fadenführende Nadel verbindet Fasern, markiert Vergangenes oder zukünftig Mögliches, fixiert temporär oder permanent, spannt Fäden über Lücken; Fäden lassen sich wieder lösen und hinterlassen Spuren.
Lockere Heftstiche sind im textilen Handwerk temporäre Verbindungen und können im künstlerischen Kontext auf Fragilität und Prozesshaftigkeit verweisen. Schnittteile lassen sich als Fragmente einer zusammenhängenden Fläche verstehen, die zu einem neuen – vermeintlichen – Ganzen gefügt werden. Nähte schaffen Verbindungen – horizontal oder vertikal: durch das Fügen von Schnittteilen oder das Schichten von Stofflagen. Sie können auch Falten fixieren, Kanten gegen das Ausfransen bearbeiten oder sich zu skulpturalen Verdichtungen formen. Der Faden kann sichtbar oder unsichtbar sein. Zusätzliche Steppstiche unterstreichen eine Naht, oder die Fügung lässt darauf schließen, dass es eine Fadenverbindung gibt, ohne die Stiche zu zeigen. Das Gewebe erscheint hier sowohl als materielle Topologie als auch als Denkfigur des Auflösens und Verbindens. Die Praktiken des Durchstechens, Dehnens, Zusammenraffens, Montierens und Dekonstruierens führen zugleich zu den Fragen: Gibt es isolierte Nähte ohne Trägermaterial? Welche Funktion haben die Anfangs- und Endfäden – sind sie vernäht, verknotet oder freie Fäden?
Die künstlerische, textile Praxis wird im erweiterten Kontext verstanden, etwa anhand der Analogie zu chirurgischen Nähten. Hier gibt es – wie im textilen Gewebe – durch Operationen absichtlich gesetzte Schnitte und durch Verletzungen entstandene Öffnungen. Eine Wunde wird durch weitere kleine Verletzungen – die Stiche – geschlossen. Die Fäden werden nach einer bestimmten Zeit gezogen oder lösen sich als resorbierbares Nahtmaterial auf; die Heilung zeigt sich als Narbe, die auf das Ereignis verweist. In lacanscher und filmtheoretischer Tradition bezeichnet das Vernähen – Suture – die provisorische Schließung einer Lücke: als Subjektkonstitution und Einbindung der Betrachter*innenposition. Daran anknüpfend fassen feministische Ansätze die Suture als relationale Praxis, die Beziehungen und Blickordnungen herstellt und sichtbar macht. Verkörpertes Wissen, Erkenntnisse, Erfahrungen und Erinnerungen fügen sich immer wieder neu – zu einer mehr oder weniger festen Naht.
Prüfungsmodalitäten
Regelmäßige und aktive Teilnahme, Erarbeitung eines künstlerischen Projektes, Präsentation im Rahmen der DEX-Semesterpräsentationen, Abgabe einer digitalen Kurzdokumentation innerhalb vier Wochen nach dem Präsentationstermin.
Anmerkungen
Das Seminar kann auch als IT-Seminar (mit oder ohne künstlerische Bachelorarbeit) besucht werden:
bitte um Anmeldung unter: S51339
Weiters kann es als Masterseminar besucht werden: bitte um Anmeldung unter: S51341
Es wird empfohlen, diese FOR-PHASE Lehrveranstaltung erst nach Absolvierung der GO-PHASE zu belegen.
Schlagwörter
Nähte, Stiche, Fäden, Lücken, Auflösung, Verbindung, Gewebe, Erinnerung, Künstlerische Forschung, Topologien
Termine
Mi., 14. Oktober 2026, 13:45–17:15 Schneiderei, VZA7, 3. OG (Raum 308)
Mi., 21. Oktober 2026, 13:45–17:15 Schneiderei, VZA7, 3. OG (Raum 308)
Mi., 28. Oktober 2026, 13:45–17:15 Schneiderei, VZA7, 3. OG (Raum 308)
Mi., 04. November 2026, 13:45–17:15 Schneiderei, VZA7, 3. OG (Raum 308)
Mi., 11. November 2026, 13:45–17:15 Schneiderei, VZA7, 3. OG (Raum 308)
Mi., 18. November 2026, 13:45–17:15 Schneiderei, VZA7, 3. OG (Raum 308)
Mi., 25. November 2026, 13:45–17:15 Schneiderei, VZA7, 3. OG (Raum 308)
Mi., 02. Dezember 2026, 13:45–17:15 Schneiderei, VZA7, 3. OG (Raum 308)
Mi., 09. Dezember 2026, 13:45–17:15 Schneiderei, VZA7, 3. OG (Raum 308)
Mi., 16. Dezember 2026, 13:45–17:15 Schneiderei, VZA7, 3. OG (Raum 308)
Mi., 13. Jänner 2027, 13:45–17:15 Schneiderei, VZA7, 3. OG (Raum 308)
Mi., 20. Jänner 2027, 13:45–17:15 Schneiderei, VZA7, 3. OG (Raum 308)
Mi., 27. Jänner 2027, 13:45–17:15 Schneiderei, VZA7, 3. OG (Raum 308)
LV-Anmeldung
Ab 31. August 2026, 09:00
Per Online Anmeldung
Studienplanzuordnung
Lehramt: Unterrichtsfach dex (Bachelor): Künstlerische Praxis (dex): FOR: Künstlerische Projektarbeiten (dex) 074/001.20
Lehramt: Unterrichtsfach dex (Bachelor): Künstlerische Praxis (dex): FOR: Technologien / Praxen (dex) 074/001.21
Mitbelegung: nicht möglich
Besuch einzelner Lehrveranstaltungen: nicht möglich