ZKF - Digitale Kunst I-II
Luzius Bernhard
Institut für Bildende & Mediale Kunst,
Digitale Kunst
2026W,
Künstl. Einzelunterricht
(KE),
19.0 ECTS,
6.0 SemStd.,
LV-Nr. S40687
Beschreibung
GENUG / ENOUGH
Genug ist ein Maß, aber auch eine Grenze.
Genug zu sagen bedeutet, festzustellen, dass ein Schwellenwert erreicht ist: genug Nahrung, genug Energie, genug Raum, genug Information, genug Geld, genug Zeit. Genug bezeichnet den Punkt, an dem weitere Akkumulation nicht mehr notwendig ist. Und dennoch sind unsere ökonomischen, technologischen und kulturellen Systeme nach genau der gegenteiligen Logik organisiert: der Vorstellung, dass es niemals genug gibt.
Mehr Produktion. Mehr Konsum. Mehr Rechenleistung. Mehr Bilder, mehr Daten, mehr Geschwindigkeit, mehr Wachstum.
Die Logik des Mehr ist so selbstverständlich geworden, dass materielle Bedingungen zunehmend aus dem Blick geraten. Wie die Cloud, die schwerelos erscheint, obwohl sie aus Gebäuden, Kabeln, Rohstoffen, Wasser und Elektrizität besteht. Künstliche Intelligenz erscheint immateriell, obwohl ihre Infrastrukturen Energie und Ressourcen in planetarem Maßstab verbrauchen. Waren erscheinen ohne die Landschaften ihrer Produktion, Fleisch ohne Tiere, Elektrizität ohne Extraktion, Komfort ohne Abfall. Die Welt wird zum Interface, während die materiellen Konsequenzen woanders hin verschoben werden.
Doch es gibt kein woanders.
Der Klimawandel macht es zunehmend unmöglich, dies zu ignorieren. Hitze, Dürre, Überschwemmungen, kollabierende Gletscher, verschwindende Arten und sich verändernde Landschaften sind keine Bilder einer zukünftigen Katastrophe. Sie verändern bereits jetzt die Bedingungen, unter denen Leben stattfindet.
Die Frage ist daher nicht länger einfach, wie wir „Natur“ retten können, als wäre Natur ein Objekt außerhalb der Gesellschaft. Die Frage ist vielmehr, wie wir eine gemeinsame Welt bewohnen wollen, deren Grenzen materiell spürbar geworden sind.
Wie viel ist genug?
Die Frage wirkt bescheiden, beinahe banal. Und doch stellt sie eine der zentralen Annahmen der Moderne infrage: dass Fortschritt durch Zunahme messbar sei.
Genug schlägt ein anderes Maß vor.
Nicht das Maximum, sondern genug.
Nicht Mangel als Strafe, sondern genug als Möglichkeit.
Nicht weniger um des Weniger willen, sondern genug, damit Leben weiterbestehen kann.
Aber GENUG! bedeutet zugleich etwas anderes.
Enough!
Eine Verweigerung.
Ein Punkt, an dem Toleranz in Handlung übergeht.
Genug zu erkennen bedeutet daher nicht nur, eine Menge zu bestimmen. Es bedeutet, ein Urteil zu fällen. Was brauchen wir? Was begehren wir? Was schulden wir anderen? Wer bestimmt, was genügt – und für wen? Warum haben manche weit mehr als genug, während andere nicht genug zum Leben haben? Was soll weiter wachsen, und was muss dringend aufhören?
Diese Fragen betreffen Ökologie, aber ebenso Technologie, Politik, Ökonomie, Körper, Bilder und Kunst.
Auch die Kunst steht in einem ambivalenten Verhältnis zur Ökonomie des Mehr: mehr Produktion, mehr Ausstellungen, mehr Objekte, mehr Sichtbarkeit, mehr Content. Die digitale Kultur hat Überfluss zu einer Umwelt gemacht. Jedes Bild kann sich unendlich vervielfältigen, jedes Archiv kann weiter anwachsen, jede Handlung kann Daten produzieren, jeder Moment kann zu Content werden.
Vielleicht besteht die radikale Geste nicht länger einfach darin, noch etwas zu produzieren.
Vielleicht besteht sie darin, zu entscheiden, was genug ist.
Oder zu fragen, wovon wir noch immer nicht genug haben:
Genug Zeit.
Genug Wasser.
Genug Schatten.
Genug Aufmerksamkeit.
Genug Biodiversität.
Genug Solidarität.
Genug Vorstellungskraft.
Genug politischen Mut.
GENUG / ENOUGH untersucht Suffizienz nicht als Resignation, sondern als Bedingung von Freiheit: als Möglichkeit, gemeinsam zu entscheiden, was wachsen soll, was bleiben soll, was verschwinden kann und was geschützt werden muss.
Prüfungsmodalitäten
Prüfungsmodalitäten
-
Anwesenheit im ZKF
-
Ausführung eines theoretischen oder praktischen Werkstücks im Kontext des Semesterthemas
-
Digitale Präsentation der Projekte im Februar
Anmerkungen
Für Studierende des ZKF 1-2
Schlagwörter
GENUG, Suffizienz, Klimawandel, Ökologie, Nachhaltigkeit, Postwachstum, Degrowth, Ressourcen, Digitale Kultur, Digitale Kunst, Kunst und Technologie, Planetare Grenzen, Mehr ist nicht genug, Kein Woanders, Gemeinsame Welt, Zukünftige Ökologien, ENOUGH, Sufficiency, Climate Change, Ecology, Sustainability, Post-Growth, Resources, Digital Culture, Digital Art, Art and Technology, Planetary Limits, More Is Not Enough, No Elsewhere, Shared World, Future Ecologies, ubermorgen
Termine
Mi., 05. August 2026, 15:00–16:00
Abteilung Digitale Kunst, Vortragsraum
, „mandatory for all students“
(Vorbesprechung)
Do., 08. Oktober 2026, 15:00–18:00
Abteilung Digitale Kunst, Vortragsraum
Do., 15. Oktober 2026, 14:00–21:00
, „Exkursion“
Do., 22. Oktober 2026, 15:00–18:00
Abteilung Digitale Kunst, Vortragsraum
, „+ Olfactory Lab“
Do., 05. November 2026, 15:00–18:00
Abteilung Digitale Kunst, Vortragsraum
, „+ Olfactory Lab“
Do., 12. November 2026, 15:00–18:00
Abteilung Digitale Kunst, Vortragsraum
Do., 19. November 2026, 15:00–18:00
Abteilung Digitale Kunst, Vortragsraum
Do., 26. November 2026, 15:00–18:00
Abteilung Digitale Kunst, Vortragsraum
Do., 03. Dezember 2026, 15:00–18:00
Abteilung Digitale Kunst, Vortragsraum
Do., 10. Dezember 2026, 15:00–18:00
Abteilung Digitale Kunst, Vortragsraum
, „+ Olfactory Lab“
Do., 07. Jänner 2027, 15:00–18:00
Abteilung Digitale Kunst, Vortragsraum
Do., 14. Jänner 2027, 15:00–18:00
Abteilung Digitale Kunst, Vortragsraum
Do., 21. Jänner 2027, 15:00–18:00
Abteilung Digitale Kunst, Vortragsraum
LV-Anmeldung
Ab 31. August 2026, 09:00
Per Online Anmeldung
Studienplanzuordnung
Medienkunst: Digitale Kunst (1. Studienabschnitt): Zentrales künstlerisches Fach: Digitale Kunst I - II 567/2019U00-101.01
Medienkunst: Digitale Kunst (2. Studienabschnitt): Zentrales künstlerisches Fach: Digitale Kunst III - VII 567/2019U00-201.01
Medienkunst: Digitale Kunst (2. Studienabschnitt): Zentrales künstlerisches Fach: Digitale Kunst VIII 567/2019U00-201.02
Mitbelegung: nicht möglich
Besuch einzelner Lehrveranstaltungen: nicht möglich