Essay

Daniel Schreiber
Institut für Sprachkunst , Institut für Sprachkunst
2026S, Vorlesung und Übungen (VU), 4.0 ECTS, 2.0 SemStd., LV-Nr. S05647

Beschreibung

Der Balanceakt des Persönlichen

Wie gehe ich  mit den Dynamiken persönlichen Schreibens um? Wie viel kann und muss ich von mir zeigen, um gesellschaftliche, kulturelle oder psychologische Zusammenhänge  zu erhellen? Wie finde ich die Ehrlichkeit, Seiten an mir anzuschauen, denen ich mich nicht wirklich stellen möchte? Und worin liegen die Grenzen dieses Sich-Zeigens? Ab welchem Punkt wirken persönliche Erzählungen selbstbezogen oder eitel?

Im Vergleich zu anderen literarischen Genres steht der Essay vor einer singulären Herausforderung: Non-fiktionales Schreiben in der Ich-Form kann sich wie eine Befreiung und wie eine Falle zugleich anfühlen. Es ermöglicht einen direkteren Zugang zu schwer auszuleuchtenden Fragen, aber es nimmt den Schreibenden auch die Möglichkeit, sich im Text zu verstecken. Trotz dieser Herausforderung ist persönliches Erzählen im Essay häufig unerlässlich, um den Lesenden die Möglichkeit zu geben, sich mit dem Text in Beziehung zu setzen und die behandelten Themen auf ihre eigene Art und Weise zu durchdringen.

Das Praxisseminar wird diese Herausforderung ausleuchten. Ziel dieses Seminars ist es, im Laufe des Semesters einen längeren Essay zu schreiben, in dem die Teilnehmenden einen eigenen Umgang mit dem Balanceakt des Persönlichen finden. Die Arbeit an diesem Text geschieht in Stufen. Die Teilnehmenden sind dazu angehalten, schon zur ersten der drei zweitägigen Blockseminarsitzungen einen persönlichen Essay mit einer Länge von etwa 10.000 Zeichen mitzubringen. Das Thema des mitgebrachten Essays ist frei gewählt, er muss allerdings schon zur ersten Sitzung vorliegen.

Der Text wird im Seminar vorgelesen und dann in einer längeren Feedbackrunde gemeinsam in der Gruppe besprochen. In der Feebackrunde wird Wert auf eine nicht-verurteilende und nicht-beschämende Form des Kritikübens gelegt. Zur zweiten Blockseminareinheit muss dieser Text mithilfe der in der Feedbackrunde gegebenen Hinweise und Vorschläge umgearbeitet oder neu geschrieben werden. Das Vorlesen und die erneute Feedbackrunde in der zweiten Blockseminareinheit soll die Fertigstellung des finalen persönlichen Essays mit einer Länge von etwa 15.000 – 20.000 Zeichen ermöglichen. Dieser wird in der dritten und letzten zweitägigen Blockseminarsitzung vorgestellt.

Prüfungsmodalitäten

In die Bewertung fließen sowohl die Qualität der vorgestellten Texte als auch die mündlichen Beiträge ein, die in den Feedbackrunden zu den Essays der anderen Teilnehmenden gegeben werden.        

LV-Anmeldung

Ab 02. Februar 2026, 09:00
Per Online Anmeldung

Sprachkunst (Bachelor): Literarische Gattungen (Kurzprosa, Lyrik, Essay, Drama, Romanformen): Essay 170/003.41

Mitbelegung: möglich

Besuch einzelner Lehrveranstaltungen: möglich