Politik und Ästhetik 1

Franz Schuh
Institute of Fine Arts and Media Art, TransArts
2023W, scientific seminar (SEW), 4.0 ECTS, 3.0 semester hours, course number S04748

Description

Manche Menschen halten Vorträge, schreiben Aufsätze oder Bücher und es fragt sich, wie kommen sie auf die Idee, dass vor ihnen niemand wusste, was sie entdeckt zu haben glauben. Es ist geradezu das Problem, dass Kunstfragen schon in der Antike, vor allem von Plato und Aristoteles, diskutiert wurden, und erst recht in der Neuzeit, von Kant oder Hegel. Das heißt eben nicht, dass mit den Alten die Sache der Kunst ausdiskutiert wäre. Man kann aber behaupten, dass das Nachdenken über Kunst jeweils andere Schwerpunkte und Akzente setzt, die das Thema zwar unterschiedlich behandeln, ohne aber vorangegangene Überlegungen überflüssig zu machen. Das Seminar widmet sich einer solchen Tradition, für deren Begriffe man den § 50 von Kants „Kritik der Urteilskraft" als Anfang nehmen kann. Kant trägt mit entschiedenem Ton eine These vor, die seit der Romantik gar nicht mehr geboten erscheint. Die These lautet, dass im Falle eines Konflikts zwischen dem genialischen Agieren eines Künstlers und der Disziplinierung durch den gesellschaftlich eingespielten „Geschmack" gegen das Genie Partei zu ergreifen ist. „Der Geschmack", sagt Kant, „ist die Disziplin (oder Zucht des Genies), beschneidet diesem sehr die Flügel und macht es gesittet oder geschliffen." Diese Behauptung macht den gesellschaftlich eingespielten Geschmack zum Mitarbeiter des geglückten Kunstwerks, das sich von den Gefahren des Wildwuchses und Eigensinns befreit hat. Ein „Modernist* würde auf der Autonomie der Kunst bestehen und alles Mögliche als ihren Mitarbeiter akzeptieren, aber sicher nicht den vorherrschenden Geschmack. Im zwanzigsten Jahrhundert hat der Soziologe Pierre Bourdieu in seiner Studie „Die feinen Unterschiede", sich auf Kants „Kritik der Urteilskraft" berufend, gelehrt, dass ästhetische Urteile nicht von der Teilhabe am Höheren beflügelt sind, sondern dass sie einen Reflex auf soziale Entscheidungen, Unterscheidungen, Verwerfungen und Erfahrungen darstellen. In diesem Sinn hat der österreichische Soziologe Gunter Falk in einem Essay mit dem Titel „Gartenzwerge, Staatsoper, Steppenwolf, und Django Reinhardt" das gläufige, die Gartenzwerge verachtende asthetische Urteil einer Kritik unterzogen.

Examination Modalities

The written work for the seminar must be submitted in German.

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limited number of participants (max. 15 persons)

The seminar will be held in German!

Contact: transarts@uni-ak.ac.at

Dates

13 December 2023, 16:00–20:00 Seminar Room 26
14 December 2023, 16:00–20:00 Seminar Room 21
15 December 2023, 16:00–20:00 Seminar Room 26
18 December 2023, 16:00–20:00 Seminar Room 26
19 December 2023, 16:00–20:00 Seminar Room 26

Course Enrolment

From 18 September 2023, 08:00 to 06 October 2023, 14:00
Via online registration

Art Education: subject kkp (Bachelor): Wissenschaftliche Praxis: FOR: Lehrveranstaltungen nach Wahl aus Wissenschaftliche Praxis 067/003.80

Art Education: subject kkp (Master): Wissenschaftliche Praxis: Lehrveranstaltung nach Wahl aus wissenschaftlicher Praxis, SE 067/003.80

Art Education: subject tex (Master): Wissenschaftliche Praxis: Lehrveranstaltung nach Wahl aus wissenschaftlicher Praxis, SE 071/003.80

Art Education: subject dae (Master): Wissenschaftliche Praxis: Lehrveranstaltung nach Wahl aus wissenschaftlicher Praxis, SE 072/003.80

Art Education: subject dex (Bachelor): Wissenschaftliche Praxis: FOR: Lehrveranstaltungen nach Wahl aus Wissenschaftliche Praxis 074/003.80

Art Education: subject dex (Master): Wissenschaftliche Praxis: Lehrveranstaltung nach Wahl aus wissenschaftlicher Praxis, SE 074/003.80

TransArts - Transdisciplinary Arts (Bachelor): Theoretical foundations: Theoretical foundations 180/003.01

Design: Specialisation in Graphic Design (2. Section): Theoretical Basics: Humanities 576/203.02

Design: Specialisation in Communication Design (2. Section): Methodological and Theoretical Basics: Humanities 577/203.02

Fine Arts (2. Section): Artistic and Research Practice: Writing and Talking about Art, Contextualising Own Artistic Work 605/201.04

Design: Specialisation in Applied Photography and Time-based Media (2. Section): Methodological and Theoretical Basics: Humanities 626/203.02

Co-registration: possible

Attending individual courses: possible