Mediale, experimentelle und interdisziplinäre Formen der Sprachkunst

Roswitha Peintner
Institut für Sprachkunst, Institut für Sprachkunst
2018W, Vorlesung und Übungen (VU), 2.0 SemStd., LV-Nr. S01918

Beschreibung

Künstlerische Forschung_Hören als Forschungspraxis

Die Konzentration unserer Künstlerischen Forschung liegt in diesem Semester auf dem Hören. Wir gehen davon aus, dass die Art und Weise wie wir hören, und wie/ob wir uns das Gehörte bewusst machen, Einfluss auf unser Schreiben hat. Um festzustellen ob/inwiefern diese Annahme zutrifft, werden wir, einzeln und in der Gruppe, eine Reihe von Hörexperimenten planen und durchführen, und auch bestehende Texte auf Gehörtes untersuchen, bzw. als Experiment, in neuartiger Weise, zu Gehör bringen. Unsere Experimente werden wir auch in akustisch interessante Räume außerhalb der Universität verlegen (schalltoter Raum, Raum mit ausgeprägtem Hall, etc.), mit verfügbarer Aufnahmetechnik aufzeichnen, und auch Versuche der Bearbeitung (tunen, schneiden, mixen, Hall-Effekte hinzufügen, etc.) von Audio-Dateien unternehmen. Bei all den Versuchen begleitet uns auch die Frage, ob/inwiefern der demographische Wandel auch nach neuartigen Text- und Aufführungsformaten, bzw. Möglichkeiten der Partizipation des Publikums, verlangt. Über diese Frage, und eventuelle zukünftige Kooperartionen, diskutieren wir auch mit dem Kollektiv Raumstation Weimar-Berlin-Wien.

Unser zweiter Lehrveranstaltungstermin (18. 10.) ist für einen künstlerisch-praktischen Workshop mit Sound-Studies Hintergrund, mit Michael Schweiger, Leiter des Soundlabs K2 an der Kunstuniversität Linz, reserviert. Da wir mit konkreten Beispielen arbeiten wollen, werden die TeilnehmerInnen gebeten, eigene Audio-Dateien zur Verfügung zu stellen. Genaueres hierzu besprechen wir beim ersten LV-Termin (11. 10.). Dieser Workshop soll uns vor allem dabei unterstützen, die Einstellungen unserer Mobiltelefone und Laptops, für die Aufzeichnung und das Anhören unserer Audio-Aufnahmen, zu optimieren. Wir erhalten auch wertvolle Aufnahmetipps für unterschiedliche akustische Umgebeungen, und lernen die Besonderheiten einzelner Audio-Formate kennen. Außerdem erkunden wir die künstlerisch-technischen Möglichkeiten eines kostenlos downloadbaren Programms zur Bearbeitung von Audio-Datein.

Unsere Experimente reflektieren wir sowohl im Kontext der Künstlerischen Forschung (Entwicklung seit Ende der 1990er Jahre, aktuelle Projekte und Diskurse, Künstlerische Forschung als neueres interdisziplinäres Arbeitsfeld für KünstlerInnen aller Richtungen), wie auch der Entwicklung des Mediums Radio, insbesondere der "Radiophonic Workshops" (BBC-Radio der der 1960er Jahre), und unseres heutigen Ö1-KunstradIos. Hier interessieren uns vor allem die Arbeiten kaum bekannter weiblicher ProtagonsitInnen.

Literatur wird am Anfang der Lehrveranstaltung, bzw. immer zumindest zwei Wochen vor der jeweiligen Diskussion, bekanntgegeben.

Zur Einstimmung auf unser Thema Hören als Forschungspraxis, nachfolgend noch ein Zitat von Pauline Olivieros (1932–2016), Komponistin, Akkordeonistin und Erfinderin der Methode Deep Listening, aus dem Vortrag The Differenz between Listening and Hearing:

"Geräusche tragen Intelligenz. Wenn Sie in Ihrem Bewusstsein für Geräusche zu eng sind, werden sie wahrscheinlich von der Umgebung getrennt. Ohren hören nicht auf Geräusche, das Gehirn schon. Zuhören ist eine lebenslange Praxis, die von den gesammelten Erfahrungen abhängt; sie kann bis ins Detail fokusiert oder offen für das gesamte Klangfeld sein." (Pauline Oliveros, TEDx Talk, veröffentlicht 12. 11. 2015)

Ziele der Lehrveranstaltung: Anhand des Semesterthemas entwickeln die Studierenden Methoden Künstlerischer Forschung und Dokumentation. Sie bekommen Einblick in die 20jährige Entwicklungsgeschichte der Institutionalisierung der Künstlerischen Forschung im Kontext des Bolongna-Prozesses, wie auch in den aktuellen Stand der Entwicklungen in Österreich und international. Sie werden in die Lage versetzt, ihre eigene künstlerische Praxis, Karriere und Identität als Autorin/Autor, in diesen Kontexten zu reflektieren, bzw. zu planen, wie auch das Feld der universitären und außeruniversitären Künstlerischen Forschung kritisch mitzuentwickeln.

Voraussetzung: die Bereitschaft auch englischsprachige Texte zu lesen/zu erarbeiten. Die Lehrveranstaltung wird in deutscher Sprache abgehalten.

Prüfungsmodalitäten

Anwesenheit und Mitarbeit in der Lehrveranastaltung, sowie die Dokumentation der Entwicklung der eigenen Forschungen im Verlauf der Lehrveranstaltung, in geeigneter Form (Forschungstagebuch/Logbuch/Blog/etc.), sowie die Mitarbeit bei der Konzeption und Umsetzung der Abschlussveranstaltung.

Termine

11. Oktober 2018, 10:00–12:00 Seminarraum Sprachkunst
18. Oktober 2018, 10:00–14:00 Seminarraum Sprachkunst
25. Oktober 2018, 10:00–12:00 Seminarraum Sprachkunst
15. November 2018, 10:00–14:00 Seminarraum Sprachkunst
22. November 2018, 10:00–12:00 Seminarraum Sprachkunst
29. November 2018, 10:00–12:00 Seminarraum Sprachkunst
06. Dezember 2018, 10:00–14:00 Seminarraum Sprachkunst
13. Dezember 2018, 10:00–12:00 Seminarraum Sprachkunst
17. Jänner 2019, 10:00–12:00 Seminarraum Sprachkunst
24. Jänner 2019, 10:00–14:00 Seminarraum Sprachkunst

LV-Anmeldung

Von 01. September 2018, 00:00 bis 30. September 2018, 00:00
Per Online Anmeldung

Sprachkunst (Bachelor): Mediale, experimentelle und interdisziplinäre Formen der Sprachkunst (2.0 ECTS)

Mitbelegung: möglich (2.0 ECTS)

Besuch einzelner Lehrveranstaltungen: möglich (2.0 ECTS)