Künst. Projektarbeit I / Künstl. Praxis 1-Textile Produktionsfelder/Vertiefung

Karin Altmann
Institute of Studies in Art and Art Education, Textiles - Free, Applied and Experimental Artistic Design
2016W, Seminar (SE), 2.0 semester hours, course number S01347

Description

GEFLICKT UND ZUGENÄHT – Von japanischen BORO-Textilien zu aktuellen UPCYCLING-Trends

 

Das japanische Wort boro bedeutet "zusammengeflickt" und bezeichnet die einst in Indigoblau gefärbten Flickentextilien der japanischen Landbevölkerung. Besonders im Norden Japans waren Baumwollstoffe sehr kostspielig und der Oberschicht vorbehalten. Als abgetragene Lumpen gelangten sie in die Hände der bäuerlichen Bevölkerung, die daraus nicht nur Gebrauchstextilien, sondern auch eindrucksvolle Kleidung schuf. In ihrer minimalistischen Ästhetik stehen diese Recycling-Textilien für künstlerische Kreativität und positive Bejahung der Unbeständigkeit allen Seins, aber auch für den Respekt vor dem natürlichen Material und der Arbeit der Hände. Nachdem sich Japan Mitte des 20. Jahrhunderts unter den Gesichtspunkten der Modernisierung und Urbanisierung rasant entwickelte, gerieten die Boro-Textilien weitgehend in Vergessenheit. Im Kontrast zum Lebensstil der heutigen Konsumgesellschaft sowie im Zusammenhang mit der Diskussion um fast fashion erscheinen sie heute jedoch aktueller denn je.

Doch nicht nur in Japan, sondern auch bei uns entwickelte sich vor dem Hintergrund der Materialknappheit die Nachkriegsmode zunächst unter der Devise "aus Alt mach Neu". Frauen trennten die Anzüge ihrer gefallenen Männer auseinander, um sich daraus warme Jacken zu schneidern. Alte Kleider wurden aus den Schränken geholt, Gebrauchstextilien wie Vorhangstoffe, Handtücher, Polsterbezüge oder Bettdecken wurden zu Kleidern umgearbeitet und jeder Lumpen und Flicken wurde aufbewahrt und wiederverwendet.

In Zeiten der Schnelllebigkeit, Überproduktion und des Schwundes natürlicher Ressourcen gewinnt Re- und Upcycling-Mode erneut an Bedeutung. Die Wiederverwertung von bereits vorhandenem Material – ob Abfall, der bei der Stoffproduktion anfällt (Verschnitt, Probestoff, Farbmuster) oder auch bereits getragene Kleidung - reduziert nicht nur die Neuproduktion von Rohmaterialien. Upcycling nimmt dieses Material in die Hand, erkennt ihr Potential, schöpft daraus Neues und transportiert darüberhinaus eine wichtige Botschaft gegen die Wegwerfgesellschaft unserer Zeit.

Examination Modalities

Regelmäßige Anwesenheit (80 %) und aktive Teilnahme, Präsentation der Arbeitsergebnisse am Semesterende.

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max. 12 TeilnehmerInnen

Das Seminar setzt sich aus 2 SWSt Grundlagen künstlerischer Gestaltung I/ Einführung in Textile Produktionsfelder und 2 SWSt Künstlerische Projektarbeit I / Künstlerische Praxis 1 – Textile Produktionsfelder/Vertiefung zusammen.

Die Seminare können unabhängig voneinander besucht werden, eine Kombination wird jedoch empfohlen.

 

 

Aufgrund der großen Anfrage wird es im Rahmen der LV nochmals die Möglichkeit geben, einen handgenähten Kimono (hitoe kosode – ungefüttertes Obergewand) anzufertigen.

Key Words

Materielle Kultur, Recycling/Upcycling, textile work, environment, fashion design, design

Dates

Tue, 11 October 2016, 10:00–17:00 TEX Klasse
Tue, 25 October 2016, 10:00–17:00 TEX Klasse
Tue, 08 November 2016, 10:00–17:00 TEX Klasse
Tue, 22 November 2016, 10:00–17:00 TEX Klasse
Tue, 06 December 2016, 10:00–17:00 TEX Klasse
Tue, 17 January 2017, 10:00–17:00 TEX Klasse
Tue, 24 January 2017, 10:00–17:00 TEX Klasse

Course Enrolment

Until 09 October 2016, 23:00
Via email: karin.altmann@uni-ak.ac.at

Co-registration: not possible

Attending individual courses: not possible